Biodiversitätselemente auf Dächern

Bei einem mit PV-Anlage versehenen Gründach bleibt in den meisten Fällen ein Teil der Gesamtfläche frei von Modulen. Dieser Bereich kann mithilfe von Strukturelementen und Modellierungen relativ einfach zu einer ökologisch hochinteressanten Fläche werden und sich zu einem Lebensraum sowohl für Pflanzen als auch für Tiere entwickeln.

Verschiedene Substrathöhen

Durch die Modellierung der Oberfläche entstehen Bodenbereiche mit unterschiedlicher Beschattung und verschiedenen Feuchtigkeitsgehalten. Je höher die Substratschicht ist, desto eher siedeln sich wichtige Bodenlebewesen langfristig an. Konkret bedeutet dies, das Substrat (der Statik entsprechend) in unterschiedlichen Höhen zu verteilen, von 6-8 cm im Bereich der PV-Module bis hin zu 25 cm in freien Bereichen. So profitieren Tier- und Pflanzenarten von dem Mosaik an verschiedenen Lebensräumen.

Verschiedene Substratarten

Die Verwendung von verschiedenen Substratarten hat einen ähnlichen Effekt wie die Substratmodellierung. Vor den PV-Modulen bietet sich mageres, mineralisches Substrat (zum Beispiel Recycling-Ziegelbruch-Gemisch oder Kies-Kompost-Gemisch) an, während auf den freien Dachflächen durchaus ein höherer Anteil organischer Komponenten aufgetragen werden kann.

Heimisches Saat- und Pflanzgut

Für die Begrünung des Dachs sollte möglichst standortgerechtes und regionales Saatgut verwendet werden. Am besten eignet sich Saatgut, dass auf artenreichen Magerwiesen in näherer Umgebung gewonnen wird, zum Beispiel in Form einer Mähgutübertragung oder Heublumen. In Vorarlberg gibt es auch die Möglichkeit, artenreiche Wiesen aus der Umgebung beernten zu lassen. Mehr Infos zum sogenannten „Wiesenkopierverfahren“ gibt es hier. Möchte man auf Wildblumen-Handelssaatgut zurückgreifen, ist man auf süddeutsche und Ostschweizer Anbieter angewiesen, da es keine auf Vorarlberg angepassten Mischungen gibt. Hierzu gehören z.B. UFA- Samen (CH), Rieger-Hoffmann (D), Syringa (D) oder Hof-Berggarten (D). Sie alle bieten fertige Dachbegrünungs-Mischungen an.

Holz, Asthaufen

Die Verwendung von Totholz oder Wurzelstöcken, welche beispielsweise bei Bauarbeiten entfernt werden (müssen), begünstigt auf dem Dach eine Vielzahl an Lebewesen, die auf Holz angewiesen sind (Insekten, Vögel). Auf diese Weise kann ohne große Umstände ein wertvolles Biotop geschaffen werden.

Steinhaufen

Flächen oder Haufen mit grobem Gestein bieten einen Lebensraum für einige Tierarten. Vögel, Reptilien oder
Insekten nutzen diese Strukturelemente für die Nahrungssuche oder als Versteck.

Wasserflächen

Die meisten Lebewesen sind auf Wasser bzw. Wasserlebensräume zumindest teilweise angewiesen. Eine temporäre Wasserfläche begünstigt viele Arten.

Sand- und Kiesflächen

Im Zuge von Bauarbeiten können lokale Aushubmaterialien wie Sand, Kies, Lehm oder gröbere Gesteine auf dem Dach auch kleinflächig verwendet werden. Kies oder Sandflächen bieten zusätzlich zur Begrünung Nisthöhlen und Brutplätze für Wildbienen und Heuschrecken. Der große Vorteil ist die Verwendung von lokalem Material, das somit nicht abtransportiert und entsorgt werden muss.

Die Texte stammen vom Ratgeber Gründach und Photovoltaik, der im September 2020 in Zusammenarbeit mit dem Energieinstitut Vorarlberg und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entstanden ist. Link: https://www.energieinstitut.at/pdfviewer/Gruendach-und-PV-Ratgeber-2020/

close